Sie sind der Zeuges für den Wert des Babys und der Liebe der Eltern zu diesem Kind.
Gott bemisst den Wert des Lebens nicht an seiner Dauer.
Wir, die betroffenen Eltern, wünschen uns von Ihnen:
Eltern sind nach dem Verlust ihres Babys noch Monate schwer geschockt und so ist es enorm wichtig, dass Sie ihnen helfen ihr Baby nach und nach zu begrüßen. Nur was man begrüßt hat kann man auch verabschieden.
Haben Sie keine Angst vor Tränen, weder bei der Familie noch bei ihnen selber. Tränen sind meist ein Zeichen dafür, dass da Wahrheit gesprochen wird und sie sind Ausdruck der Liebe.
Seien Sie mutig, denn keiner kann wissen, was für die betroffenen Eltern wichtig ist um ihr Baby zu begrüßen und zu würdigen. Auch wenn Sie die Wünsche nicht verstehen können, helfen sie trotzdem zur Verwirklichung mit! Erst wenn Gefühle und Impulse gelebt werden, führen sie uns zu neuen Möglichkeiten.
Eltern wissen, was sie brauchen.
Ermutigen Sie die Eltern, Erinnerungsstücke von ihrem Kind zu sammeln. Später wenn die Trauerarbeit beginnt, werden diese Sachen als Schatz und als Beweis für die Realität des Babys sehr geschätzt. Es ist auch sehr entlastend und hilfreich, wenn die Eltern angeleitet werden, alles Erlebte-, schmerzhaftes und trotz allem auch Positives, niederzuschreiben.
Vermeiden Sie tröstende Worte, denn sie werden meist von den betroffenen Eltern als Abwertung ihres Babys und ihrer Liebe verstanden. z.B.: „Sie sind ja noch so jung, sie werden noch Kinder bekommen.“
Helfen Sie, wenn irgend möglich, den Eltern dabei, ihr Kind in der Klinik sehen zu können, es nach Wunsch in den Arm zu nehmen zu können. Sollten die Eltern selbst unschlüssig sein, informieren Sie sie, dass noch nie Eltern bereut haben, ihr Baby kennen gelernt zu haben, aber schon viele darunter leiden, dass sie die
einmalige Gelegenheit nicht genutzt zu haben.
Bieten Sie an, das Kind zu segnen, wenn es nicht mehr getauft werden kann. Diese Handlung kann die Eltern in ihrem Gefühl, dass ihr Kind wertvoll und wichtig ist bestärken. Sie können auf jeden Fall dem Baby einen Namen geben und die Existenz dieses Kindes bezeugen.
Machen Sie darauf aufmerksam, dass auch Kinder unter 500g Geburtsgewicht beerdigt werden können. Es bedarf dazu in der Regel einer formlosen Erklärung seitens der Klinik.
Machen Sie die Eltern auf die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung (Erd- oder Feuerbestattung) und der Gräber (anonymes Grabfeld, Reihengrab, Familiengrab etc.) aufmerksam. Erklären Sie ihnen gerade bei
Letzterem die einzelnen Vor und Nachteile.
Helfen Sie mit, dass die Beerdigung möglichst spät stattfindet, denn dann haben die Eltern eine Chance sich mit der völlig unerwartet neuen Situation abgefunden zu haben und sich langsam Gedanken zur Gestaltung der Feierlichkeiten machen zu können.
Falls notwendig, wirken Sie darauf ein, dass die Eltern auch an der Beerdigung teilnehmen können. Falls die Mutter noch nicht aus dem Krankenhaus entlassen wurde, kann sich der Seelsorger dafür einsetzen, dass die Beerdigung hinausgezögert wird. Es ist sehr wichtig, dass die Eltern sich bewusst von ihrem Kind verabschieden können.
Ermuntern Sie die Eltern, auch nach außen zum Tod des Kindes zu stehen und nichts zu verheimlichen und eventuell eine Todesanzeige, mit Name des Kindes und der Einladung zu Begräbnis-Feierlichkeiten zu verschicken. Nur so haben die anderen die Gelegenheit zu verstehen, was passiert ist, welchen Umgang die
Eltern sich wünschen, und können damit auch einfühlsam und hilfreich reagieren.
Laden Sie die ganze Familie ein ihre Liebe zu diesem einmaligen Kind und die Wertschätzung für das Erlebte öffentlich auszudrücken, indem sie möglichst viel an den Feierlichkeiten mitgestalten.
Ermutigen Sie die Eltern, an der Gestaltung der Beerdigung mitzuwirken. (Gebete, Lieder, ...) So wird ihnen das Gefühl gegeben, wenigstens etwas für ihr Kind tun zu können und ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen.
Ermöglichen Sie durch die Feiergestaltung, dass alle das Kind zuerst begrüßen können, um es dann in die Hände Gottes zu empfehlen.
Seien sie innerhalb der Feier sparsam mit Worten, sondern lassen Sie lieber Bilder, Symbole, Zeichen, Handlungen und Musik sprechen.
Seien Sie besonders sorgfältig in der Auswahl der Gebetstexte! Die Sprache vieler vorformulierter Gebete und Teile des Begräbnisrituals sind der besonderen Situation keineswegs angepasst. Sie können Betroffene später bitten, mit ihnen die notwendigen Korrekturen an den Texten anzubringen.
Händigen Sie die Grabrede an die Betroffenen aus. Oft kann man während der Beerdigung nicht die ganze Rede in sich aufnehmen. Sie kann während der langen Trauerphase Trost spenden und ist außerdem ein Stück Erinnerung an das Kind.
Zeigen Sie Verständnis dafür, dass Eltern um ein kleines bzw. totgeborenes Kind genauso trauern wie um ein älteres. Viele Betroffenen haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Verständnis oft fehlt.

Für die, die das Baby unmittelbar erlebt haben, ist es einmalig und real – Außenstehende können dies nie nachvollziehen.
Regen Sie an nach der liturgischen Feier noch bei einem einfachem Mahl oder einer Jause zusammenzubleiben. Die Familie soll nach den Feierlichkeiten nicht sich selbst überlassen sein.
Geben Sie die Information und damit auch die Erlaubnis, dass die Eltern bis zum errechneten Geburtstermin zumindest im Schock sind und die Trauerarbeit zumindest bis zum Jahrestag echte Knochenarbeit ist. Zwei bis fünf Jahre ist eine ganz normale Dauer.
Das Leben und empfinden der Angehörigen wird nie wieder so werden wie vor der Existenz dieses Kindes!

Jedes Baby kommt um etwas Gutes hier auf die Welt zu bringen. Die Aufgabe von Trauernden ist es, darauf zu kommen, was dieses Packerl ist, um die Veränderungen in sich selbst annehmen zu können.
Versuchen Sie auf Gemeindeebene Helfer für das Alltägliche zu gewinnen (kochen, einkaufen, saubermachen,...). Manchmal kann man diese Dinge nicht mehr erledigen oder sie erscheinen ganz einfach nicht mehr wichtig, insbesondere wenn es um die Versorgung von Geschwisterkindern und anderen pflegebedürftigen Familienmitgliedern geht.
Weisen Sie darauf hin, dass es Literatur zu Trauer und auch speziell zum Thema „Vorzeitiges Ende der Schwangerschaft“ und dem Sterben von Kindern gibt siehe zB
Literaturtipps oder weitere Lieder und Literaturtipps - eine noch größere Themenbezogene Auswahl zB gemäß der Todesursache an Büchertipps sind auf www.sonnenstrahl.org zu finden.

Reagieren Sie einfühlsam, wenn sich Eltern in der ersten Trauer vom Glauben abwenden. Viele Eltern können nicht verstehen, wie Gott es zulassen kann, dass ihr Kind leiden und letztlich sterben muss. Lassen Sie Klagen und In-Frage-stellen zu.
Geben Sie Denkanstöße zum Thema Leben nach dem Tod. Für viele Eltern ist es eine große Hilfe, bestätigt zu bekommen, dass der Tod auf Erden nicht die endgültige Trennung bedeutet. Bieten Sie betroffenen Eltern Gespräche über ihr totes Baby und ihre Trauer an. Oft fühlen sich Eltern mit ihrer Trauer alleine gelassen und durch das nicht darüber reden ausgegrenzt.

Bewußt Gemeinsam Schweigend an das Kind zu denken bringt Selbstheilungskräfte in Gang.
Wenn Sie mit Eltern über ihr verstorbenes Kind sprechen, benutzen Sie bitte seinen/ihren Namen. Sprechen Sie nicht von „dem Kind“ oder gar der Fehl- oder Totgeburt oder Schwangerschaftsunterbrechung/ Abtreibung.
Weisen Sie auf die Kontaktmöglichkeiten zu den bestehenden Trauer- und Selbsthilfegruppen hin, damit Eltern sich nicht so alleine fühlen.

Ist Ihnen keine Gruppe bekannt, so verweisen Sie bitte auf Familien in der näheren Umgebung, denen vor einiger Zeit ein ähnliches Schicksal widerfahren ist.
Beziehen Sie im Beisein der Familienangehörigen das tote, vorausgegangene Kind (z.B. im Gebet) bei Familienfesten mit ein. Es bestätigt das Gefühl, dass trotz allem das tote Kind zur Familie gehört und in Liebe verbunden ist.
Bieten Sie auch Monate nach dem Verlust ein nochmaliges Gespräch an, denn die Mutter hat meist keinen Gesprächspartner mehr - alle scheinen das Baby vergessen zu haben. Nicht zu vergessen: wiederkehrende Jahrestage des eigentlichen Geburtstermines und des Todes- bzw Beerdigungstages!
Sprechen Sie in ihrer Predigt auch mal ganz allgemein über das Sterben von Babys im Mutterleib, rund um den Zeitrahmen der Geburt und in den ersten 3 Lebensjahren sowie über das Sterben von größeren und Kindern und Jugendlichen, denn - statistisch gesehen - erlebt in Westeuropa jede 3 - 4. Familie das Sterben eines ungeborenen Kindes.
Feiern Sie in ihrer Pfarre einmal im Jahr einen Gedenkgottesdienst für alle zu früh verstorbenen Kinder, etwa zu Muttertag oder 
dem weltweiten Gedenktag an alle verstorbenen Kinder an jedem 2. Sonnntag im Dezember  oder am Tag der unschuldigen Kinder (28.12.)
Prinzipielles:
Die Liebe der Eltern zu diesem einmaligen Kind ist der größte Halt für alle.
All die gelebte Liebe hat noch nie jemandem geschadet.
Eltern sind total im Schock und brauchen daher viel Zeit und mehrmals - am besten auch schriftlich - dieselben Informationen und Unterstützung, um sich auf die Kontaktaufnahme mit ihrem vorrausgegangenen Kind einlassen zu können.

Entworfen von Verein Regenbogen Deutschland

Ergänzende Informationen:

Behelf für (kath.) Seelsorger: „Und wenn Du Dich getröstet hast,.. Bausteine für Begräbnis-/ Abschieds- /Gedenkfeiern für Kindern, die während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz nach der Geburt sterben“

von Martha Leonhardsberger
Behelfdienst des Pastoralamtes der Erzdiözese Linz: 4020 Linz; Kapuzinerstraße 84; Tel.: 0043 732 76 10 3813

Spirituelle Sterbe- und Trauerbegleitung bietet auch Ingrid Auer & Petra Hörmann www.celesta.at

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