Sie sind der Zeuge für den Wert des Babys und der Liebe der Eltern zu diesem Kind.
Wir, die betroffenen Eltern, wünschen uns von Ihnen:
Bitte fordern Sie nie die frisch entbundene Frau auf, sich vom Baby zu verabschieden; denn so lange sie im Spital ist, kann sie nur im Schock sein, und da ist die lösbare Aufgabe, dass sie ihr Baby begrüßt und ihre Liebe öffentlich ausdrückt.
Bitte benutzen Sie die Worte, die für Mutter und Kind passend sind: Kind statt Leibesfrucht, gebären statt ausstoßen, Wehen statt Bauchkrämpfe, Versorgen statt beiseite schaffen,.....- Jede Schwangere fühlt sich nämlich als Mutter, und ihr Ungeborenes ist für sie Realität.
Bitte sagen Sie statt Totgeburt lieber „stille Geburt“.
Bitte vermeiden Sie tröstende Worte, denn sie werden meist von den betroffenen Eltern als Abwertung ihres Babys verstanden: z.B.: Sie sind ja so jung, Sie werden sicher noch andere Kinder bekommen.“
Bitte nehmen Sie die Aggression der Patientin an, ohne sie direkt auf sich zu beziehen. Sie entspringt der Unfähigkeit der Betroffenen, die Situation zu akzeptieren, und ist ein Bestandteil des Schocks.
Bitte lassen Sie Frauen die eine Fehl- oder Totgeburt zu erwarten haben, nicht alleine, sie erleben es als Ausgrenzung aus der Gemeinschaft, da sie nicht „funktioniert“ haben.
Bitte bemühen Sie sich, dass der Partner vor und zur Entbindung kommt, denn die Frau braucht dringend eine Vertrauensperson und einen Zeugen für die Realität des Babys. Nur wenn der Vater das Baby gesehen hat, kann für ihn aus der Möglichkeit eines Babys die Realität des gemeinsamen Kindes werden. Dies ist dann für die Mutter, die erst Monate später in die Trauer kommt, eine entscheidende Stütze.
Bitte, wenn der Vater das Baby nie gesehen hat - so informieren Sie die Frau, dass er einen ganz anderen Trauerprozess haben wird, da das Baby nur für sie Realität war, aber für ihn nur die Möglichkeit auf ein Kind.
Sie wird nur von anderen Betroffenen ganz verstanden werden können, wenn diese sich mit der eigenen Trauer beschäftigen – Selbsthilfegruppen sind da wichtig.
Bitte fordern Sie nach der Geburt die Eltern auf, dass sie ihr Baby begrüßen und alles tun, um es in die Gemeinschaft der Menschen aufzunehmen. – Dies ist eine indirekte Erlaubnis, das Kind auch taufen zu dürfen, denn dies ist vielen Eltern wichtig.
Bitte berücksichtigen Sie, dass Eltern die eine schlimme Diagnose erfahren haben, Monate im Schock stecken und sie berauchen daher länger Zeit als sonst. Lassen Sie der Betroffenen zusammen mit Angehörigen Zeit, um langsam die Situation zu begreifen und sich auf die neue Situation umzustellen.
Wenn der Tod des Babys abgeklärt ist und die Frage des Zeitpunktes der Geburt ansteht, informieren Sie unbedingt die Betroffenen, dass solange die Fruchtblase geschlossen ist, kein Leichengift entstehen kann, also „wenn der Tod gewiss ist, wir eine Ewigkeit Zeit haben.“
Bitte schützen Sie bei der Geburt die Einmaligkeit der Situation: Dies ist der Moment, an dem die Mutter am intensivsten ihr Kind begreifen kann und in dem auch der Grundstein für die heilende Trauer gelegt wird.
Bitte vermeiden Sie schmerzstillende Mittel, da in dieser Situation die Mittel oft bewusstseinstrübend wirken, was jeder Trauerverarbeitung später blockiert. Loben Sie lieber die Frau, für das Ertragen der Geburt, als Zeichen ihrer großen Liebe zu diesem Kind.
Für die Frauen ist jedes Gebären völlig von der Schwangerschaftswoche unabhängig, jede Änderung wird von der Frau als Abwertung ihres Geschehens erlebt.

Versuchen Sie die Geburt in jedem Schwangerschaftsstadium so normal wie möglich verlaufen zu lassen. Ein normaler Geburtsablauf wirkt sich positiv auf eine eventuelle nächste Schwangerschaft aus.
Bitte achten Sie sorgfältig, ob beim Baby nach „vollständigem Austritt aus dem Mutterleib entweder die Atmung eingesetzt hat oder irgendein anderes Lebenszeichen erkennbar ist, wie Herzschlag, Pulsation der Nabelschnur
oder deutliche Bewegung willkürlicher Muskeln, gleichgültig ob die Nabelschnur durchgeschnitten ist oder nicht, oder ob die Plazenta ausgestoßen ist oder nicht.“ Dann ist völlig unabhängig von der Schwangerschaftsdauer das Baby als Lebendgeburt zu verzeichnen, was für die Mutter einen viel besseren
Rechtsstand bedeutet. Dies ist im Hebammengesetz festgehalten.
Falls die Mutter alleine das Baby zur Welt gebracht hat, so glauben Sie ihr, wenn sie angibt, dass das Kind noch gelebt hat. Wird ihre eigene Wahrnehmung angezweifelt, so blockiert dies gewiss ihren Trauerprozess ganz.
Bitte räumen Sie nicht gleich das Neugeborene weg, denn dies heißt, dass es eine Zumutung für die Eltern wäre, vor der sie geschützt werden müssen. Sondern behandeln Sie es im Beisein der Eltern, wie jedes andere - zum Leben geborene -Neugeborene auch.
Bitte informieren Sie alle Eltern, dass Eltern noch nie bereut haben ihr Baby gesehen, gehalten, untersucht,... zu haben (egal welche Missbildungen), aber schon Tausende es bereut haben, ihr Kind nie wirklich kennen gelernt zu haben.
Bitte unterstützen Sie die Kontaktaufnahme mit dem Kind indem Sie das Baby liegen lassen und loben Sie das Aussehen das Babys. Indem Sie als Fachfrau das Baby als wertvoll beschreiben, wird fast jede Frau neugierig und will ihr Baby sehen. Wenn Sie es zuerst entfernen, dann erlebt sie das Kind eher als Leiche, vor der man sich fürchten muss.
Bitte unterstützen Sie die Eltern in der Kontaktaufnahme mit dem Baby, indem Sie es vor dem Wegtragen den Eltern freundlich hinhalten. Eltern haben es dann noch nie abgelehnt, ihr Baby an sich zu nehmen.
Bitte geben Sie den Eltern die Möglichkeit viele Fotos (vielleicht auch im Arm seiner Eltern, mit Geschwistern,..) in dieser einmaligen Situation zu machen. Können dies die Eltern trotz Unterstützung nicht, so machen Sie welche und geben Sie sie im zugeklebten Kuvert bei der Entlassung mit – sie gehen sonst extrem oft verloren (Bitte, auf das Bilderbeschriften nicht vergessen!).
Bitte regen Sie auf der Station an, dass eine Elternmappe hergestellt wird, wo Fotos, Fuß- und Handabdrücke, alle Geburtsdaten, die Namen des entbindenden Arztes und der Hebamme, das Namensbändchen, Literaturhinweise, Kontaktadressen zu Selbsthilfegruppe und alle Rechtsinformationen, vor allem die Bestattungsmöglichkeiten enthalten sind. Dies ist enorm hilfreich, wenn die Frau zu Hause aus dem Schock kommt.
Bitte schließen Sie sich mit der nächsten diensthabenden Stationsschwester und dem Pathologen kurz, um den Eltern mehrere Tage zu ermöglichen um entweder zum ersten Mal oder auch mehrmals ihr Kind zu haben und begreifen zu können. Informieren Sie die Eltern über die mögliche Zeitspanne. Manche Eltern trauen sich nicht am nächsten Tag nach dem Baby zu fragen, also fragen bitte Sie.
Bitte die Patientin in der Folgenacht nicht in der Nähe des Säuglingszimmers unterzubringen, dafür die Möglichkeit schaffen, dass ein Angehöriger bei der Frau im Zimmer schlafen kann und vielleicht auch anbieten, dass das tote Baby dort gelassen werden kann.
Bitte informieren Sie die Eltern von der Möglichkeit, ihr Kind selbst beerdigen zu lassen, auch wenn es nicht ein bestimmtes Mindestgewicht hat. Die meisten Betroffenen haben sich noch nie mit diesem Gedanken auseinandergesetzt, bereuen aber häufig später, nicht nach dieser Möglichkeit gefragt zu haben.
Bitte weisen Sie die Eltern darauf hin, dass sie immer den Babys als Zeichen ihrer Liebe etwas mitgeben können, es mit eigenen Sachen ankleiden können, und, wenn eine Bestattung erfolgt, sie diese auch mitgestalten können.
Wenn die Frau vorzeitig entlassen werden will, kümmern Sie sich bitte um eine Nachbetreuung durch eine freie Hebamme.
Bitte stellen Sie Sicher, dass die geschockten Eltern genau verstanden haben, warum das Baby verstorben ist und dass es nicht die Schuld der Eltern war. Erklären Sie die Todesursache in für Laien verständlichen Worten.

Todesursache kann niemals die Abtreibung an sich sein, sondern helfen Sie mit Ihrem Fachwissen bitte mit beim Erkennen, warum die Ärzte und Mutter sich zur Unterbrechung der Schwangerschaft entschließen haben müssen/ entschlossen haben!
Bitte nehmen Sie sich Zeit für ein Gespräch über das Wochenbett. Alle Frauen, die entbunden haben, unterliegen einer ganz normalen Hormonumstellung und haben darüber hinaus die Erfahrung machen müssen, dass sie ihr Baby nie mit nach Hause werden nehmen können um es mit anderen zu teilen.
Bitte helfen Sie mit, dass bei einer Fehlgeburt die Ärzte mit Befunden und einem Hinweis auf ihre psychische Situation mithelfen, dass die Frau eine großzügige Krankmeldung bekommen kann.
Bitte informieren Sie die Eltern, dass sie ihrem Kind auch offiziell einen Namen geben dürfen, der in das Sterbebuch eingetragen wird. Sind die Eltern nicht verheiratet, so kann der Vater persönlich am Standesamt seine Vaterschaftsanerkennung abgeben.
Prinzipielles:
Die Liebe der Eltern zu diesem einmaligen Kind ist der größte Halt für alle.
Eltern sind total im Schock und brauchen daher viel Zeit, mehrmals dieselben Informationen und Unterstützung sich auf die Kontaktaufnahme mit ihrem Kind einzulassen.
Im Spital ist die einzige Möglichkeit des Begrüßens und sicher noch nicht die Zeit der Verabschiedung.
Im Spital werden unwiderruflich die Weichen für die viel später einsetzende Trauerarbeit gestellt – DANKE für Ihre Mitarbeit.

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