1. Die Mutter eines Gestorbenen Kindes fühlt sich immer als Verantwortliche Mutter; auch noch nach dem Tod des Kindes. Leider hat unser Umgang mit den zu früh gestorbenen Babys diesen Grundsatz sehr vergessen. Genau dies ist ein Hauptgrund, der zusätzliches Leid den Eltern bringt und was krank macht. Bitte halten Sie diesen Grundsatz in ihrem Herzen und Sie werden immer optimal auf die Eltern reagieren.
2. Die Eltern sind ganz sicher noch vollkommen im Schock von ihrem Schicksalsschlag, wenn sie zu Ihnen kommen. Dieser Schock hält zumindest bis zum errechneten Geburtstermin an und dauert nie kürzer als einige Wochen. In dieser Situation sind die Eltern mit den vielen Entscheidungen die sie treffen müssen völlig überfordert. Also stellen Sie, bitte, die notwendigen Fragen, informieren Sie möglichst prägnant und wiederholen Sie die Frage
zumindest eine halbe Stunde später noch einmal oder geben Sie gleich einen zweiten Termin damit dann erst die Entscheidungen fallen.
3. Im Schock ist es noch gar nicht möglich, wirklich zu begreifen, dass das Baby nun nicht mit der Familie das Leben teilen wird. Daher stellt sich zum Begräbnis nur die Aufgabe das Kind möglichst würdevoll und liebend zu begrüßen. Ändern Sie bitte ihre Sprache und reden Sie vom „Kind begrüßen“ und nicht nur von Verabschieden. Dies ist für Sie angenehmer und die Eltern wissen so genau, was sie brauchen. Nur was man begrüßt hat, kann man später auch gut verabschieden!
4. Bitte fragen Sie die Eltern, ob sie ihr Baby schon genug gesehen und gehalten haben. Wenn da noch Bedürfnisse offen sind, helfen Sie wenn möglich den Eltern dabei, ihr Kind in der Klinik, dem Bestattungshaus sehen und angreifen oder sogar für eine Zeit mit nach Hause nehmen zu können.
5. Fragen Sie die Eltern, ob sie ihr Kind für einige Zeit in der vertrauten Intimität der eigenen Wohnung haben möchten. Vielleicht wollen sie ihr Kind der Familie vorstellen, mit dem Baby auch das Zuhause der Familie teilen oder es wie traditionell üblich aufbahren. Wenn Eltern Zeit mit ihrem toten Kind haben, finden sie leichter genau das, was ihnen hilft ihr Baby begrüßen und kennen zu lernen. Nur was man begrüßt hat, kann man später auch gut verabschieden!
Um dies konstruktiv zu gestalten, ist es wichtig eine anwesende Begleitung von außen (Selbsthilfegruppe, Seelsorger, Hebammen, Therapeuten,....) sicherzustellen.
6. Sollten die Eltern auch nach der Nachdenkpause noch immer ablehnen ihr Kind auch nur einmal anzuschauen, so informieren Sie sie bitte, dass noch nie Eltern es bereut haben Fotos von ihr Baby oder dessen Bestattung zu besitzen. Regen Sie an, dass Fotos (vielleicht noch vom Kind) dann zumindest von der Bestattung gemacht werden, die die Eltern später, wann auch immer sie dies wünschen ansehen können. Wenn der Schock nachlässt kann die Welt ganz anders ausschauen und ein Andenken zu haben, erleichtert den Trauerprozess. Zudem
sind in unserer Kultur Fotos auch ein Ausdruck der Wertschätzung.
7. Unabhängig zur alltäglichen Einstellung zur Kirche entstehen oft religiöse Bedürfnisse bei Eltern deren Baby stirbt. Bitte sprechen Sie mit den Eltern darüber, ob sie ihr Kind von einem Priester segnen lassen wollen, wenn es nicht mehr getauft werden kann.
8. Bitte machen Sie darauf aufmerksam, dass fast jedes Kind (auch unter 500g Geburtsgewicht) beerdigt werden kann. Es bedarf dazu einer formlosen Bescheinigung seitens der Klinik.
Die einzigen Babys, die nicht von den Eltern selbst bestattet werden können sind jene, die für Untersuchungszwecke in der Histologie in Parafin gegossen wurden. Diese werden bis jetzt leider als Präparat behandelt und nicht als Leichen. Man kann aber mit Engagement erreichen, dass die Eltern Schichtschnitte ihres Kindes ausgehändigt bekommen.
9. Bitte machen Sie die Eltern auf die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung (Erd-, Feuerbestattung oder Beilegung) und der Gräber (anonymes Grabfeld, Reihengrab, Familiengrab, etc.) aufmerksam. Erklären Sie bitte gerade in diesen Punkten die Vor- und Nachteile für die Zukunft: Mit Einbeziehung der Element Erde oder Feuer können des weiteren Rituale zur Trauerarbeit gemacht werden. Nur in Urnen Bestattete können problemlos mit-übersiedeln. Urnen können auch an die Eltern ausgehändigt werden.
Ansonsten sind die Bilder, die die Eltern damit verbinden entscheidend für ihr emotionelles Erleben.
10. Es ist sehr wichtig, dass die geschockten Eltern ihre kurze Geschichte mit ihrem Kind bewusst erleben und aktiv gestalten können. Vor dem Schmerz des Verlustes kann sie nichts und niemand bewaren. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die Eltern an der Beerdigung ihres Kindes teilnehmen können. Wenn z.B. die Mutter das Krankenhaus noch nicht verlassen konnte, kann der Bestatter bewirken, dass die Beerdigung hinausgezögert wird. Sorgen Sie bitte für eine Sitzmöglichkeit, falls die Mutter noch nicht kräftig genug ist, um zu stehen.
11. Bitte ermutigen Sie die Eltern, die Beerdigung ihres Kindes mitzugestalten, indem sie einen besonderen Spruch, ein Lied, eine am Grab vorgetragene kurze Erzählung aussuchen oder individuelle Rituale vollziehen. Natürlich können die Eltern auch selbst den Sarg tragen, in die Erde legen,... So wird ihnen das Gefühl gegeben, wenigstens etwas für ihr Kind getan zu haben und so ihre Liebe öffentlich ausgedrückt zu haben. Nur die nicht gelebte Liebe macht
später Probleme!
12. Es ist ein Hilfreiches Ritual für Eltern und Geschwister, dem verstorbenen Kind eine Grabbeigabe (Zeichnung, Brief, etc.) mitzugeben. Bitte ermuntern Sie die Familie dazu, etwas mitzubringen.
13. Zeigen Sie bitte Verständnis dafür, dass Eltern um ein kleines bzw. totgeborenes Kind
genauso trauern, wie um ein älteres. Viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass in der Gesellschaft dieses Verständnis oft fehlt.
14. Versuchen Sie bitte die geschockten Eltern zu ermuntern, dass sie Helfer für das Alltägliche gewinnen (einkaufen, saubermachen, kochen, Geschwister versorgen, etc.) Manchmal kann man diese Dinge nicht mehr erledigen, oder sie sind ganz einfach nicht mehr wichtig.
15. Bitte weisen Sie darauf hin, dass es Literatur speziell zum Thema „Vorzeitiges Ende einer Schwangerschaft“ und auch über Trauer und dem Sterben von Kindern gibt. Bitte weisen Sie auch auf telefonische Kontaktmöglichkeiten zu unserer Initiative und unseren Selbsthilfegruppentreffen hin.
16. Bitte schreiben und reden Sie immer das Kind mit seinem Vornamen an, unabhängig ob dieser Name auch standesamtlich gegeben wurde. Es ist immer möglich, dass Eltern den Vornamen und Familiennamen beim Grab anbringen können.
17. Ermuntern Sie die Eltern, ihr Kind selber zu waschen, einzulassen und mit eigenen Kleidern anzuziehen, eventuell auch, es im eigenen Bettzeug in den Babysarg zur Ruhe betten. Unterstützen Sie sie, wenn sie auch den Sarg selber herstellen beziehungsweise selber anmalen wollen.
18. Für die Geschwister ist es wichtig an dem Begräbnis teilzunehmen, da dieses tote Familienmitglied für immer die Positionen in der Geschwisterreihe verändert hat. Da die Eltern mit der eigenen Gefühlsüberflutung voll beschäftigt sind, ist für die Bestattung eine eigene und nicht zu betroffene Bezugsperson für die lebenden Kinder sicherzustellen.
19. Trösten Sie bitte niemals mit der Möglichkeit einer Folgeschwangerschaft oder mit den lebenden Kindern. Betroffene erleben dies als völliges Unverständnis ihrer Gefühle.
20. Die Bestattung hat regelmäßig Kontakt mit den Pathologien. Dort wird ja entschieden, welchen Rechtsanspruch Eltern mit ihrer „Leibesfrucht“ haben. In Österreich gibt es zwei entscheidende Kriterien die dann drei Begriffe definieren:
Lebendgeburt: das Kind lebte noch (pulsierende Nabelschnur oder Bewegung oder..) nach vollständigem Austritt aus dem Mutterleib; dies ist von der Schwangerschaftswoche ganz unabhängig; dieses Baby hat am meisten Rechte, was die Eltern sehr entlastet!
Totgeburt: Das Gewicht des totgeborenen Kindes ist bei der Geburt über 500g, auch da gibt es noch diverse Rechte des Kindes.
Fehlgeburt: Das Geburtsgewicht ist unter 500g und es gab keinerlei Lebenszeichen von sich; Damit gibt es keine standesamtliche Beurkundung. Der Geburtsvorgang, egal welcher es war wird auch rechtlich nicht als Geburt gewertet. Dies erschwert den Eltern ungemein ihren Trauerprozess zu durchleben und dadurch wieder Heil zu werden.
Engagierte Bestatter haben schon mehrfach eine Richtigstellung der Kategorisierung der Babyleiche durch den Pathologen eingeleitet. Das war immer ein sehr bedeutendes Geschenk an die Eltern.

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