Auf die Frage, wann die Zeit der größten Trauer war, nennt die Mutter viele Jahre nach dem Tod ihrer 23 jährigen Tochter den Zeitpunkt der Diagnosestellung.

Wenn das Sterben eines Kindes absehbar wírd, beginnt die Trauerarbeit. Dies kann im Fall einer schweren Erkrankung der Zeitpunkt der Diagnosestellung sein. Es kann sogar schon beim ersten Auftrezen der Krankheitssymtome beginnen und den damit verbundenen Ängsten, dass es etwas Schlimmes sein könnte.

Die Mutter träumt kurz nach Ausbruch der lebensverkürzenden Erkrankung ihres Kindes von dessen entfernt liegenden Geburtstag und danach von seiner Beerdigung. Neun Jahre später trifft alles wie zuvor geträumt ein.

Wenn erstmals geahnt wird, dass Lebensentwürfe und Pläne sich vielleicht nicht erfüllen werden, dass die Lebenszeit beschränkt sein könnte, dann beginnt der schmerzliche Prozess der Enttäuschung, der Verzweiflung, des Loslassens. Doch zuerst erwacht der Kampfgeist. Jeder ist froh, der dieser Situation etwas entgegensetzen kann. Therapievorschläge werden eingeholt, überprüft und ausprobiert. Der Einsatz, das Leben des Kindes zu erhalten, ist unglaublich groß, und das ist auch gut so. Neben Hoffnung und Aktivität gibt es eine Seite, die man nur ungern zuläßt: die Beschäftigung mit den eigenen Ängsten und mit dem Tabuthema "Tod". Dennoch spüren Kinder wie Eltern, wann es für sie darauf ankommt, sich gegenüber diesem Thema zu öffnen.

Der Vater der 18 monate alten Emily sagt auf der Beerdigung seiner Tochter: "Was Sie uns damals erzählt haben von einem Kind, dem die Eltern erlaubt haben, dass es sterben darf, das wollten wir gar nicht hören. Das ging hier rein und da raus. Aber am Morgen von Emilies Todestag ist es uns wieder eingefallen. Da haben wir gewußt: jetzt müssen wir sie in Frieden gehen lassen. Und so ist Sie auch gestorben: ganz friedlich."

Je mehr es im Vorfeld gelingt, die Möglichkeit des Sterbens gedanklich, gefühlsmäßig und im Gespräch zuzulassen, desto mehr ist bereits an Vorbereitung getan, desto besser kann gegebenenfalls Abschied genommen werden. Je mehr Schmerzen im Vorfeld zugelasssen wird, desto mehr ist vom "Berg der Trauer" bereits abgetragen.

Auch wenn sich im Verlauf der Krankheit und der Therapie erweist, dass das Kind wieder gesund wird, hat sich bereits Trauer ereignet. Indem das ganze Spektrum an Gefühlen zwischen Angst und Hoffnung zugelassen und bestimmte Aspekte nicht massiv ausgeblendet werden, findet zeitgleich die Verarbeitung und Bewältigung der Krankheit statt.

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie in folgendem Buch: Wenn ein Kind stirbt. Ein Begleiter für trauernde Eltern und Geschwister

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