Sie sind der Zeuge für den Wert des Babys und der Liebe der Eltern zu diesem Kind, auch wenn es nicht der Norm entspricht.
Wir, die betroffenen Eltern, wünschen uns von Ihnen:
1) Bitte drängen Sie nicht auf pränatale Diagnostik, falls sie nicht die Mutter von sich aus verlangt.
2) Bitte vermitteln Sie nicht den Eindruck, dass die pränatale Diagnostik alles kann, dies kann fatale Folgen haben. Die pränatale Diagnostik ist nicht leichtfertig anzuwenden, denn bei positivem Befund stehen schwerwiegende Entscheidungen an, auf die die Mutter kaum vorbereitet ist und wo jede Entscheidungsvariante gravierende Nachteile bringt.
3) Bitte weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass die Untersuchungen auch zu positiven Ergebnissen führen können. Hier sind vor der Untersuchung Überlegungen angebracht, wie dann weiter zu verfahren wäre. Ohne ein offenes und ehrliches, aber trotzdem einfühlsames Gespräch sind Screening-verfahren ganz abzulehnen.
4) Auch wenn Sie eine Abnormität bei dem Ungeborenen gefunden haben, so ist und bleibt es für die Mutter „IHR BABY“. Bitte reden Sie weiter über „das Kind“ und entwürdigen Sie nicht Mutter und Kind. Ein positiver Befund verändert, wenn man es nicht bewusst korrigiert, reflexhaft die Sprachkultur insofern, dass man an Stelle eindeutiger Begriffe (Kind, Geburt,...) zu Kunstbegriffen und Fachausdrücken greift. Aber genau das traumatisiert zusätzlich die Mutter
und ist krankmachend.
5) Sollten sich bestimmte Erkrankungen zeigen, die ein Überleben des Kindes möglich machen, bereiten Sie bitte die Eltern darauf vor, was für negative Auswirkungen das jeweils diagnostizierte Störungsbild auf die Gesundheit des Babys haben kann. Über die Veränderungen des zukünftigen Lebens der Familie wissen nur Selbsthilfegruppen von Eltern, deren Kinder mit genau dieser Krankheit leben, Bescheid, also vermitteln Sie Kontakte zu ihnen. Im Internet gibt es schon eine große Sammlung an solchen Plauderecken 
und Kontaktmöglichkeiten.
6) Schwangerschaftsabbruch ist häufig eine der Reaktionsmöglichkeiten. Für die Mutter, die immer bemüht ist eine gute Entscheidung für die Zukunft zu treffen ist das entscheidendste Kriterium, wie sie die Liebe zu ihrem Baby am besten ausdrückt und lebt.
7) Bitte vermitteln Sie bei Entscheidungsproblemen der Mutter einen Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, denn wir bestehen auch aus vielen Eltern, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben. Hier können folgende Fragen geklärt werden: „Wie gestaltet man die Schwangerschaftsunterbrechung als Ausdruck der Liebe zu diesem Kind?“ „Wie sieht diese Entscheidung des Abbruchs nach Jahren aus?“ und „Was sind die legitimen Vorzüge
der Unterbrechung?“
8) Bitte erklären Sie den Geburtsvorgang genau, auch später während der Entbindung, Die Geburt des Babys ist die einzige und sehr kurze Geschichte des Begreifens, was geschieht. Vor dem Verlustschmerz kann niemand diese Frau beschützen. Sie können entscheidend helfen, dass die Mutter sich beweisen kann, dass sie dieses Kind auch trotz der Behinderung liebte. Diese Liebe
ist das Wichtigste für die Zukunft und in der unvermeidlichen Trauer der einzig brauchbare Halt.
9) Der durchlittene Geburtsschmerz kann oft ein wichtiger Teil der gelebten Liebe zu diesem Kind sein und auch ein Trost für das meist sehr angeschlagene Selbstbewusstsein als Mutter. Zudem wirken in dieser Ausnahmesituation die Schmerzmittel leider auch stark sedierend, wodurch das einmalige Erleben des Kindes schwer gestört wird. Die Mutter ist auf jeden Fall sehr für das
Ertragen ihrer Schmerzen zu loben.
10) Die Mutter ist völlig unter Schock, der noch Wochen anhalten wird. Daher sind alle wichtigen Fragen nach der Informationsgabe zu stellen und unbedingt anzukündigen, dass die Mutter nochmals nach mindestens 30 Minuten gefragt wird. Sie werden feststellen, dass Sie dann oft ganz andere Antworten bekommen und vieles noch unklar ist!
11) Wenn nicht sichergestellt ist, dass das Kind schon vor der Geburt tot ist, so kann es jederzeit lebend zur Welt kommen, auch wenn dies höchst unwahrscheinlich ist. In diesem Fall muss den Eltern deutlich vor dem geplanten Eingriff gesagt werden, dass das Baby lebend zur Welt kommen kann.
12) Bitte sorgen Sie dafür, dass die Mutter während der Entbindung nicht alleine ist. Eine Vertrauensperson ist sehr wichtig (Partner, Mutter, Freundin) Das Gefühl der Isolation stellt sich noch früh genug während der Trauerverarbeitung ein. Zudem entlastet es sehr das Personal, dass noch jemand für die Mutter da ist.
13) Bitte beachten Sie, dass während der Schwangerschaft nur für die werdende Mutter das Kind eine Realität darstellt. Für die ganze soziale Umgebung, auch für den Vater kann das Kind noch nicht eine Realität sein, sondern ist (bis er sein Kind sieht oder die Geburt miterlebt) nur eine Möglichkeit. Dies ist der Grund, warum die Gesellschaft so gar nicht verstehen kann, dass diese Mütter trauern müssen. Nur wer auch das Kind erlebt hat, kann die Mutter in ihrer Trauer
begleiten.
14) Falls die Eltern von sich aus ablehnen ihr Kind zu sehen, informieren Sie sie unbedingt, dass es doch ihr geliebtes Kind ist. Eltern finden immer etwas Schönes an ihrem auch noch so missgebildeten Kind. Von Betroffenen weiß man, dass Eltern noch nie bereut haben, ihr Baby kennen gelernt zu haben, aber viele es später bereuen, es nie kennen gelernt zu haben.
15) Bitte stellen Sie erst gar nicht die Frage, ob die Mutter ihr Baby sehen will, denn das verunsichert mehr, als es hilft. Lassen Sie das Neugeborene einfach zwischen den Beinen liegen. Versuchen Sie mit den Augen einer liebenden Mutter dieses Kind zu betrachten und beschreiben sie es lobend (schöne Fingernägel, friedlicher Blick,..). Jede Mutter wird dann neugierig und folgt ihrem Reflex. Sie können es auch liebevoll auf ihren Arm nehmen und so eindeutig das Kind als Mensch annehmen.
16) Bitte unterstützen Sie die Eltern und die weitere Familie, ihr Kind zu sehen, zu halten und all das zu tun, was sie mit einem gesunden Kind auch gemacht hätten. Dies können sie natürlich so lange sie möchten, mehrmals, die ganze Nacht hindurch und all die Tage, bis sie einverstanden sind, dass das Baby in die Pathologie kommt. Die gemeinsame Zeit mit diesem Kind ist sowieso viel zu kurz, und die Eltern beurteilen das Kennenlernen und diese gemeinsame Zeit
mit diesem besonderen Kind im späteren Leben als einen großen Schatz.
17) Bitte veranlassen Sie, dass Fotos von dem Kind gemacht werden, die sich die Eltern mitnehmen können, um sie später noch ansehen zu können, und somit eine Erinnerung an ihr Kind haben.
Achten Sie bitte darauf, dass kein medizinisches Foto gemacht wird, sondern die Würde dieses kleinen Menschen gewahrt bleibt. (zumindest in eine Windel kleiden)
18) Wenn Mutter oder Vater das Baby nicht sehen wollen, beschreiben Sie ihnen bitte wie es ausgesehen hat: Geschlecht, Größe, Hautbeschaffenheit. Betroffene wollen immer wissen, wie ihr Kind ausgesehen hat, aber leider oft erst zu einem Zeitpunkt, an dem Antworten nur noch grob möglich sind.
19) Am Tag nach dem Abbruch sollte unbedingt ein Arztgespräch stattfinden, in dem auf mögliche psychische Reaktionen der Mutter oder des Vaters hingewiesen wird.
20) Sind in der Familie Geschwisterkinder, sprechen Sie bitte über die Möglichkeit, wie man ihnen die Situation altersgerecht verständlich machen kann.
21) Bitte bieten Sie auch bei Vorliegen des Obduktionsbefundes ein weiteres Gespräch an. Dies ist einerseits für die Eltern wichtig, um später aufgetretene Fragen abklären zu können, andererseits weil es viele Eltern noch ein Mal an diesen Ort zurückzieht. Steht der behandelnde Arzt für weitere Fragen zur Verfügung, so empfinden die Eltern dies als optimale Betreuung.
22) Bei der Entlassung sollten Kontaktadressen von Trauer-Selbsthilfegruppen sowie Literaturhinweise vermittelt werden. Man erspart den Betroffenen so das mühevolle Suchen und gesteht ihnen gleichzeitig das Recht auf Trauer zu.

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